Übernahme aus der Verdener-Aller-Zeitung vom 17.10.2014

David Stubbe hat es geschafft: Er hat einen festen Arbeitsplatz bei Baalk Backbord in Verden gefunden. Seine Zuverlässigkeit, seine hohe Motivation und seine freundliche Art haben ihm dabei geholfen.

Angestoßen jedoch hat den Schritt in ein selbstständiges Leben sein Job-Coach Marco Schwandt von den Wümme-Aller-Werkstätten der Lebenshilfe Rotenburg-Verden. In der Werkstatt am Thingplatz in Dauelsen war der 34-Kährige seit mehr als einem Jahrzehnt einer von rund 200 Beschäftigten.

Juniorchef Christof Baalk hat seine Entscheidung, den sympathischen jungen Mann an Bord zu nehmen, bisher nicht eine Sekunde bereut: „David ist jeden Tag fünf Minuten vor der Zeit da, er ist tatkräftig, erledigt jeden Auftrag sofort und gern, kann überall mit anpacken und sieht die Arbeit, bevor man es ihm sagt. Er hilft uns ungemein.“ Mit vor Stolz leuchtenden Augen hört David Stubbe sein Lob und gibt es seinem Chef direkt zurück: „Meine Arbeit gefällt mir, und ich verstehe mich mit allen gut.“ Vier bis fünf Stunden steht er am Morgen in der Backstube, danach wird die Produktionshalle gereinigt. „Mit der Schrubbmaschine, das macht mir am meisten Spaß“, strahlt Stubbe.

Aber das Backen selbst sei auch toll. „Ich mache Brötchen, Croissants, Rosinenbrötchen, Franzbrötchen und Apfeltaschen – alles echt lecker.“

Für die Firma, die in wenigen Jahren von einem kleinen Familienbetrieb auf eine Größe von 140 Mitarbeitern angewachsen ist, stand die Frage, ob man jemanden mit Behinderungen einstellt, schon länger im Raum. „Wir haben ja wie jeder Betrieb Monat für Monat unsere Ausgleichsabgabe an das Integrationsamt gezahlt. Da lag die Idee, es einmal anders zu versuchen, eigentlich nahe.“

„Wir fürchteten, dass es schwer sein könnte, diesen Mitarbeiter zu integrieren, und dass seine Betreuung vielleicht einen hohen zusätzlichen Aufwand für uns bedeuten würde“, räumt der Juniorchef ein. Daher habe man es zuerst mit einem mehrmonatigen Praktikum probiert: „Das lief sofort sehr gut mit David. Schon bald haben wir gewusst: Der würde in unser Team passen.“

„Das ist eine typische Win-Win-Situation“, freut sich Baalk junior. „Wir haben mit David so ein Glück gehabt; das hat uns auch für die Zukunft eine große Hemmschwelle genommen.“

 Marco Schwandt, Job Coach der Lebenshilfe Rotenburg-Verden, und Christof Baalk, Juniorchef bei Baalk Backbord, mit dem neuen Bäckerei-Kollegen David Stubbe (v.l.)

Viel geholfen habe dabei das Engagement Marco Schwandts, der den gesamten Prozess begleitete. Als Job-Coach ist es seine Aufgabe, gemeinsam mit Beschäftigten, die gern komplexere Aufgaben erledigen und selbstständiger arbeiten möchten, Perspektiven für den ersten Arbeitsmarkt zu entwickeln. Darum besitzt er gute Kontakte zu allen Wirtschaftsunternehmen der Region, die die Möglichkeit und das Interesse besitzen, einen Mitarbeiter mit Behinderungen einzugliedern.

Dass es bei David Stubbe so perfekt geklappt hat, freut ihn besonders, denn hier stimmt einfach alles. „Auch die Kollegen in der Backstube freuen sich alle, dass David da ist“, betont Baalk. Mitarbeiter Andreas Kurgannikov kann das nur bestätigen: „Vorher haben wir überlegt, was das wohl für einer sein wird, wie er drauf ist, ob er die Arbeit versteht.“ David habe alle Bedenken vergessen lassen. „Auf ihn ist Verlass, er springt für andere ein und wir mögen ihn alle gern.“ David Stubbe hat ein großes Stück Lebensqualität hinzugewonnen. Die extrem frühen Arbeitszeiten sind für ihn kein Problem: „Daran gewöhnt man sich schnell. Dafür habe ich schon mittags Feierabend. Da habe ich viel mehr vom Tag.“ Und genügend Zeit für seine Hobbys: In seiner Freizeit nimmt er an einer Kochgruppe der Offenen Hilfen teil, dreimal wöchentlich ist er im Fitness-Studio und außerdem sorgt er in einer Verdener Band an der Tontechnik für den richtigen Sound. Und am Wochenende, wenn Besuch kommt, gibt es ein großes Kuchenpaket aus der Bäckerei. „Dann freue ich mich richtig, dass ich das selbst mit gebacken habe und es allen so gut schmeckt.“