Eine der vielen Köstlichkeiten, die während des Kochprojekts in Bierden entstanden sind.Um kurz vor neun Uhr herrscht in der Kita Bierden reges, aber konzentriertes Treiben. In der Mäusegruppe werden Kartoffeln gewaschen, der Kräuterquark, der dazu gereicht werden soll, zieht noch etwas, damit sich die Aromen entfalten. Immer wieder schauen die Kinder aus der Rabengruppe von nebenan vorbei und fragen, ob sie helfen können. „Beim Kochprojekt sind alle mit dabei“ wird Edith Rehling später im Pressegespräch sagen. In der Tat wirkt es so, als gebe sich jeder besonders viel Mühe, seine Aufgabe gut zu erfüllen. An diesem „Frühlingsfest“ soll alles passen. Alle 70 Kinder der Kita werden heute Mittag zusammen essen. Jede Gruppe hat ihren Teil zum gemeinsamen Essen beigetragen.

Wenn man sich in der Kita umschaut, möchte man am liebsten überall kosten. Die „Raben“ haben herrlich aussehende Salate kreiert, bei den Fröschen warten bunte und appetitlich aussehende Obst-Käse-Spieße auf ihren Auftritt. Der Liebling vieler Kinder, Ketchup, ist auch dabei, nur eben  selbstgemacht und ohne Zucker. Mit jeder Gruppe, die ich besuchen darf, erlebe ich neue, verführerische Düfte. Der Appetit kommt dabei automatisch.

Kerstin Harders, Erzieherin in der Mäuse-Gruppe, beobachtet und hilft, wo immer Hilfe gebraucht wird. Sie hat eine Fortbildung der Sarah Wiener Stiftung besucht und an der Umsetzung des Projekts in Bierden maßgeblich mitgewirkt. „Ich koche selbst sehr gern und es ist schön, das jetzt auch hier einbringen zu können.“, berichtet sie. Auf die Frage, was denn besonders wichtig sei, um Kindern gesundes Essen schmackhaft zu machen, habe sie im Rahmen der Fortbildung zwei wichtige Antworten erhalten. Erstens, nenne Essen nicht gesund und zweitens, alles ist erlaubt, solange die Kinder am gesamten Prozess beteiligt sind. Das Credo der Sarah Wiener Stiftung passt also hervorragend zum partizipatorischen Ansatz der Lebenshilfe. Und so kommt es, dass nun einmal monatlich eine Gruppe der Bierdener Einrichtung in einem nahegelegenen Supermarkt einkaufen geht, um für alle Gruppen etwas zuzubereiten. Ob es ein Frühstück ist, eine Nachspeise oder ein leckerer Snack für zwischendurch, das entscheiden die Kinder. Auch das Rezept wählen die Kinder selbst aus. „Wir als Erwachsene machen Vorschläge, aber die Entscheidung treffen die Kinder.“, sagt Harders. Und Sozialpädagogin Jacqueline Buchholz ergänzt: „Seitdem die Kinder selbst beteiligt sind, wird mehr probiert.“ Es ist in Ordnung, Dinge (noch) nicht zu mögen. Es komme häufiger vor, dass Kinder Erfahrungen mit „neuem Essen“ nach Hause tragen und so auch dort bislang ungewohntes auf dem Speiseplan stehe. Das Projekt, das seit Beginn des Jahres läuft, trägt also bereits erste Früchte. Doch, das ist nur ein Nebeneffekt. Kochen fördert und stimuliert alle Sinne und auch Kinder mit Förderbedarf haben ihren Anteil daran.

Neben den Vorbereitungen für das Essen steht an diesem Vormittag aber noch ein zweites großes Ereignis auf dem Programm. Das Richtfest für das neue Kinderhaus der Kita. Damit es auch „ihr Haus“ werden kann, waren die Kinder in allen Phasen des Projekts beteiligt. Sie haben Modelle gebastelt, Bilder ausgeschnitten oder selbst gemalt und dürfen auch aktiv helfen. Dabei sind Sand und Schiebkarre immer an ihrer Seite. Beim Richtfest sind die Kinder wieder die Hauptdarsteller. Sie singen gemeinsam das Lied „Wer will fleißige Handwerker sehen“ und Nikita darf in luftiger Höhe – selbstverständlich gut gesichert – den „Richt-Ballon“ zerstechen.

Nach so einem schönen und ereignisreichen Tag ließen es sich die Kinder ordentlich schmecken. 100 verspeiste Würstchen und viele leere Teller zeugen davon, genau wie die strahlenden Gesichter bei Groß und Klein. Tränen gibt es an diesem Tag zwar auch, aber für die sind ausschließlich die Zwiebeln verantwortlich, die für das Essen geschnitten werden mussten.

Den ausführlichen Bericht des Weser-Kuriers finden Sie hier.

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