Übernahme aus den Verdener Nachrichten vom 30.04.2013

 

Schauspielern – das gelingt auch ohne Sprache und Motorik richtig gut. Wie, das zeigen ab 2. Mai in Achim eine Woche lang über 160 Kinder in sechs spannenden Theater- und Filmprojekten. „Wunderwandelbar“ heißt die Kooperation, an der sich behinderter und nicht behinderter Nachwuchs aus zwei Schulen für Lernhilfe und zwei Achimer Kindertagesstätten beteiligt.Anlässe sind der europaweite „Tag der Inklusion“ am 5. Mai und das 50-jährige Bestehen des Vereins Lebenshilfe im Landkreis Verden.

V O N  A N T J E  S T Ü R M A N N

 

 „Wir machen ganz viel mit Musik, Körpersprache und gemeinsamen Bewegungen“, erklärt Theaterpädagogin und Mitorganisatorin Corinna Schmelter-Pourian vom Theaterwerk Albstedt. Seit einem Jahr proben und probieren rund 30 Pädagogen mit den Achimer Kindern und Jugendlichen unter großem Aufwand, welche Themen diese bewegen und wie diese auf der Bühne umsetzbar sind. Wöchentlich hat auch Corinna Schmelter-Pourian mit Kindern aus zehn Gruppen der Lebenshilfe-Kindertagesstätten Baden und Bierden gearbeitet. Mit von der Partie sind aber auch die Schüler der Erich-Kästner-Schule und der Helene-Grulke-Schule. „Wir wollen zeigen, wo und wie in der Stadt Achim Theaterpädagogik als alternative Lernmethode eingesetzt wird und was möglich ist“, sagt Corinna Schmelter-Pourian. Das Ergebnis zu präsentieren , dafür haben sich die Initiatoren die Zeit um den 5. Mai ausgesucht, dem europaweiten Tag der InklusionTheater.

Nicht jeder kann mit diesem schwierigen Wort etwas anfangen. Die Mitarbeiter der Aktion Mensch schon: „Jeder Mensch erhält die Möglichkeit, sich vollständig und gleichberechtigt an allen gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen – und zwar von Anfang an und unabhängig von individuellen Fähigkeiten, ethnischer wie sozialer Herkunft, Geschlecht oder Alter“, erklären sie in ihrem Internetauftritt. Die „Aktion Mensch“ ist auch einer der Geldgeber – neben dem Land Niedersachsen, das über die lokale Arbeitsgemeinschaft finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt hat, und der Lions Club.

Mit „Wunderwandelbar“ sollen die Möglichkeiten der Theaterarbeit für die Inklusion demonstriert werden. Die Kleinen des Kindergartens Achim-Bierden sind voller Erwartung. FOTO: CHRISTIAN BUTT

Das Theaterpädagogische Zentrum in Wulsbüttel-Albstedt (Samtgemeinde Hagen) und das Achimer Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch) dagegen sind mit personellen Kräften dabei. „Es geht darum, dass auch Kinder mit Handicap sich wunderbar entfalten können und Bestätigung finden“, erklärt Silke Thomas vom Kasch. Die Leiterin der Kindertagesstätte in Achim-Bierden Elisabeth Hennies sagt: „Durch eine gemeinsame Theateraufführung erfahren Kinder Anerkennung, Wertschätzung und erleben sich als Teil der Gemeinschaft. Unabhängig von ihrem Alter ,ihren Fähigkeiten und dem Grad der Behinderung.“

Doch auch die Erwachsenen lernen: Einige Erzieher haben zum Beispiel extra eine Fortbildung in Theaterpädagogik absolviert, um ihre Schützlinge gut auf die Auftritte im Rahmen des Projektes „Wunderwandelbar“ vorbereiten zu können. Pädagogen wie Elisabeth Hennies nutzen die Theaterpädagogik als „innovative Lernmethode“. Die Kinder, sagt sie, lernten nachhaltig, weil sie Spaß haben. Außerdem fördere diese Methodik die gesamte Persönlichkeit der Kinder.

Was alle gemeinsam bis dato gelernt haben, zeigen sie auf der echten Theaterbühne im Kasch. „Auch das ist für manche eine Herausforderung: Jetzt stehen die Jungen und Mädchen nicht in der Kindertagesstätte oder in der Aula, sondern in einem dunklen Theaterraum mit Tonanlage im Scheinwerferlicht“, beschreibt Silke Thomas.

Zurzeit treffen sich die Kinder zu den Generalproben im Kulturhaus. Da schiebt zum Beispiel ein Junge, dessen Körper einseitig gelähmt ist, einen Hocker von A nach B. Ein Mädchen packt beherzt zu und hilft ihm dabei. In einer anderen Szene drückt ein Junge die Tasten eines Sprachcomputers und: Die Maschine spricht für ihn. „Wir arbeiten mit geistig behinderten Schülern, Kindern, die mit motorischen oder sprachlichen Defiziten leben“, berichtet Corinna Schmelter-Pourian.

In manchen der erarbeiteten Stücke werde aus diesem Grund auch so gut wie gar nicht gesprochen: „Sprache ist für behinderte und nicht behinderte Kinder oft eine Barriere – oder zumindest ein schwieriges Transportmittel. Besonders für die jüngeren.“ Hennies ergänzt: „Unser Theater-Projekt zeigt die Bereicherung, die durch Vielfalt und Verschiedenheit entsteht. Kooperation ist der Weg der Lebenshilfe zur Inklusion.“