Übernahme aus der Verdener-Aller-Zeitung vom 21.01.2014

Landkreis. Das erste Halbjahr nach Einführung der Inklusion an Niedersachsens Grundschulen neigt sich dem Ende zu. Noch ist aber nicht abzusehen,  wie die gemeinsame Beschulung  von Kindern unabhängig von ihrem Förderbedarf in das Schulsystem hineinwachsen wird.

Vor allem ist das Schicksal der Sprachheilklassen  an Förderschulen (die Verdener- Aller-Zeitung berichtete)  zumindest für die Eltern der betroffenen Kinder noch nicht besiegelt. Viele setzen noch auf den Erfolg einer Online-Petition, die fast 60 000 Unterzeichner unterstützt haben.

Am 28. November endete die eigentliche Online-Zeichenfrist für die Petition zum Erhalt der Förderschulen Sprache in Niedersachsen „Sprache ist mehr als Worte“. Ziel der Petition war, 50 000 Unterschriften zu sammeln, um im niedersächsischen Landtag gehört zu werden. Grund genug für die Initiatoren der Petition, eine Bürgerinitiative um die Neerstedterin Bianca Meyer, ein erstes Resümee zu ziehen. Bundesweit seien bis dato 58 867 Unterschriftengezählt worden, teilt Meyer mit.

Auslöser für die Aktion auf ungewöhnlichem Weg sind die Planungen der niedersächsischen Landesregierung zur Umsetzung der Inklusion. Laut Koalitionsvereinbarung von SPD und Bündnis 90/Die Grünen aus März 2013 sollte mit Beginn des Schuljahres 2014/2015 keine Einschulung in die schulischen Fördereinrichtungen im Bereich Sprache mehr erfolgen, um die genannten Schülergruppen in den Regelschulen „inklusiv“ beschulen zu können.

Aber weder die betroffenen Eltern noch Pädagogen an den Förderschulen glauben,dass die Kinder in der inklusiven Grundschule eine vergleichbare Förderung erhalten werden. Das wurde bereits im vergangenen Jahr deutlich, als Elternvertreter, Bereichsleiterin Brigitte Bertram von der Lebenshilfe im Landkreis Verden und der Schulleiter der Förderschule Andreasschule in Verden, Klaus Pietsch, über ihre Bedenken berichteten. Da werde ein gut funktionierendes System zerschlagen, das wichtige Grundlagen für den schulischen Erfolg der Kinder legt, beklagten sie einmütig.

Auch Verbände erwarten, dass die „Fachlichkeit“ beim Unterricht und bei der Förderung in der Regelschule für die betroffenen Schülerinnen und Schüler noch nicht gewährleistet ist. Zudem werde gerade durch die in Förderschulen – im Landkreis Verden die Andreas- und die Erich-Kästner-Schule – mit dem Schwerpunkt Sprache geleistete Arbeit ein großer Beitrag zur Inklusion entsprechend beeinträchtigter Kinder geleistet. In der Regel verlassen sie nach kurzer Verweildauer und ohne die Notwendigkeit einer weiteren Förderung die Schulen hin zur Regelgrundschule vor Ort. Bis die Initiative einen Übergabetermin vom Landtagspräsidenten, Bernd Busemann, erhält, will sie weiter Unterschriften sammeln. Die überwältigende Resonanz bisher macht ihr Mut. (kle)

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